Was bedeutet Freiheit für Sie persönlich?

• Tun und lassen zu können, was Sie wollen?
• Viel Geld zu besitzen?
• Frei von Angst zu sein?
• Frei von Krankheiten zu sein?

Oder noch etwas ganz anderes?

Die Definition von Freiheit (lat. libertas) ist ein uraltes philosophisches Thema. Viele Gelehrte haben sich dem Thema in den letzten Jahrhunderten gewidmet, konnten aber keine universelle, allgemeingültige Definition finden.
Ein Lexikon schreibt, dass Freiheit bedeutet, keinen äußeren und inneren Zwängen folgen zu müssen. Wirklich frei ist aber nur, wer seinen vorhandenen Freiheiten auch Handlungen folgen lässt. Dabei hat die Freiheit für das Individuum und die Freiheit im globalen Kontext ganz unterschiedliche Bedeutungen.


Kennen Sie das Buch „Sklavenkind“ von Urmila Chaudhary? Sie war eine von 45 Millionen Menschen, die heute in Sklaverei leben. Mit 6 Jahren wurde sie verkauft und musste 11 Jahre für eine fremde Familie in der Hauptstadt Kathmandu als „Kamalari“ arbeiten. Kamalaris sind typischerweise junge Frauen aus dem Volk der Tharu, die im Kindesalter von ihren Familien aus wirtschaftlicher Not verkauft werden und bei reichen Familien unter rechtlosen Bedingungen im Haushalt arbeiten.
Erst mit 17 Jahren wurde sie von einer Hilfsorganisation befreit. Sie konnte ihren Schulabschluss machen und kämpft heute für die Rechte anderer Mädchen.
Sie beschreibt, dass sie damals oft aus dem Fenster sah und sich vorstellte davonfliegen zu können, zurück zu ihrer Familie

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Wie kostbar Freiheit ist, merken wir meistens erst dann, wenn sie uns entzogen worden ist, oder wenn wir sie uns selbst entzogen haben. Oder auch, wenn wir uns Schicksale wie das von Urmilia aus Nepal vor Augen halten.
In letzter Zeit musste ich oft an die Geschichte von Urmila denken…. So viele Menschen in meinem Umfeld reden davon freier sein zu wollen. Sie wollen nicht mehr der Sklave der eigenen Angst sein, der Arbeit, dem Mangel an finanziellen Mitteln, der Krankheit, dem Übergewicht, der Reisebeschränkungen und und und. Oft folgte darauf ein Satz wie: „Wenn sich xxx ändert, dann… Die meisten beschreiben es wie Urmila -sie wollen frei sein wie ein Vogel.


Irgendwann fing ich an, darüber nachzudenken, was Freiheit für mich bedeutet.
Nun habe ich das Glück, in einem Land zu wohnen, in dem Kinder nicht verkauft werden müssen, damit die Familie überleben kann. Ich habe ein Dach über dem Kopf und alles, was ich zum Leben benötige. Mir dies noch einmal bewusst zu machen, lässt mich dankbar werden.
Ich fing an in meinen Büchern zu stöbern, was dort alles zum Thema „Freiheit“ geschrieben steht.


Bei Immanuel Kant blieb ich hängen. Kant unterscheidet zwischen einer positive und einer negative Freiheit. Unter positiver Freiheit versteht er die Möglichkeit, die Freiheit zu haben, aus Möglichkeiten zu wählen, sie nutzen zu können und die Verantwortung dafür zu übernehmen, sofern derjenige es möchte.


Bei der negativen Freiheit ist man frei von etwas, nämlich von Umständen und Zwängen, die etwas erschweren oder verhindern. Schaut man sich Biographien von Menschen an, die in ihrem Leben in extremer Weise ihre Freiheit entbehren mussten, z.B. durch Gefangenschaft oder ähnliche Umstände, gab es unter ihnen Viele, die es sich nicht nehmen ließen, sich ihre innere Freiheit zu bewahren. Ganz nach dem Motto: „Es steht mir vollkommen frei, meine Peiniger nicht zu hassen!“


Freiheit wird demnach individuell empfunden, weil es von vielen Faktoren abhängt. So versteht Urmila aus Nepal unter Freiheit sicher etwas anderes als ich.

Da wir immer Teil einer Gesellschaft sind, können wir nie ganz frei sein. Denn jede Gesellschaft hat ein Ideal, das seine Traditionen, Normen, Regeln vorgibt, die jeden Einzelnen automatisch beeinflussen.
Denken Sie z.B. an den Satz: „Das gehört sich einfach nicht“. Der Mensch ist auf die Akzeptanz anderer angewiesen. Er wird bis zu einem gewissen Grade zur Anpassung genötigt. Und in der Isolation sind wir Menschen nicht wirklich lebensfähig!
Normen und Ideale entwickeln sich über Generationen hinweg, wandeln sich permanent und orientieren sich an dem, was der Mehrheit entspricht. Wer nicht nach dieser Norm handelt, erlebt eine deutliche Einschränkung seiner persönlichen Freiheit.
Indem der einzelne die Freiheit, die er für sich selbst beansprucht, auch anderen zugesteht, entsteht eine Wechselbeziehung zwischen individueller und kollektiver Freiheit. Die individuelle Freiheit beinhaltet viele verschiedene Aspekte, die wir berücksichtigen und in Beziehung setzen müssen: Meinungsfreiheit, Willensfreiheit, Handlungsfreiheit, Entscheidungsfreiheit, Bewegungsfreiheit, Bildungsfreiheit, Pressefreiheit, finanzielle Freiheit, Religionsfreiheit.


Schauen wir uns nun den Unterschied zwischen der äußeren und inneren Freiheit an.

Die äußere Freiheit ist schnell definiert: ich bin unabhängig, werde nicht unterdrückt oder in irgendeiner Form in Gefangenschaft gehalten.
Nicht ganz so leicht ist die Antwort in Bezug auf innere Freiheit. Sie ist jedoch für jeden von uns von wesentlicher Bedeutung. Ich versuche es mal mit einigen Aspekten zu verdeutlichen. Wenn die Kriterien der äußeren Freiheit erfüllt sind, müssen wir uns fragen, ob uns dies tatsächlich ausreicht. Oder ob wir doch auf einer anderen Ebene Gefangene unseres eigenen Systems - unserer Gedanken und Ängste sind. Wir werden feststellen, dass wir objektiv frei sein mögen, subjektiv aber leider nur die wenigsten von uns frei sind.
Erkennen wir dies, haben wir vielfältige Möglichkeiten, diesen Zustand zu ändern und uns die innere Freiheit zu erarbeiten.
Wenn wir an unserer inneren Freiheit arbeiten und unser Leben dann nach unseren Visionen ausrichten, werden wir innerlich als auch äußerlich frei sein. Frei sein bedeutet „Ich selbst“ zu sein. Es bedeutet, ich kann zu jeder Zeit ich selbst sein und mir wird der notwendige Respekt meiner Mitmenschen entgegengebracht. Eine objektive Freiheit ist für das subjektive Freiheitsgefühl also nicht unbedingt notwendig.

Was hat Freiheit mit Sicherheit zu tun?

Viele Freiheiten können zum Schaden Dritter missbraucht werden. Wird jedoch unsere Freiheit durch verschiedene Sanktionen, wie z.B. Überwachungssysteme, Gesetze, Maskenpflicht oder anderes enorm eingeschränkt, kann dieses Gefühl der Sicherheit wiederum unser subjektives Gefühl von Freiheit erhöhen.
Freiheit heißt auch, dass ich anderen Menschen die gleiche Freiheit einräume, wie mir selbst. Durch diese Wechselbeziehung entsteht die kollektive Freiheit, die jedoch immer einer Gratwanderung sein wird, da in der Regel der Mensch sein eigenes Wohl über das Allgemeinwohl stellt.
Gehen wir noch einen Schritt weiter mit der Freiheit. Wenn das Verhältnis der Freiheit zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen unausgewogen ist, bedeutet dies, dass die Freiheit der einen Gruppe meist diejenige der anderen Gruppe massiv einschränkt.


Freiheit ist wirklich ein komplexes Thema…


Ich musste eine ganze Weile überlegen, um Freiheit für mich zu definieren. Ich kam zu dem Ergebnis, dass Freiheit für mich vor allem bedeutet frei zu sein, von einschränkenden Gedanken und Ängsten. Denn sie sind die Gitterstäbe meines Käfigs, durch die ich in die Freiheit schaue und mir wünschte, ich könnte sie durchbrechen und davonfliegen.

 

Was bedeutet Freiheit für Sie?


Der Monat Februar steht unter dem Motto: "FREIHEIT“
Nehmen Sie sich die Freiheit mir Ihre Definition mitzuteilen. Ich freue mich darauf.

Ihre Christiane Borisek

Über mich

Hallo, ich bin Christiane Borisek. In meiner rund 25-jährigen Berufserfahrung durfte ich bereits mehr als 10.000 Menschen in den verschiedensten beruflichen oder persönlichen Prozessen erfolgreich begleiten.

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